Eurovelo 5 – Freiburg, Strasburg, Colmar

Back on track. Nach einer Bänder OP endlich wieder im Sattel und auf dem Weg nach Freiburg. Als erste Station auf der Reise. Die ursprünliche Idee – nochmal das 9 Euro Ticket so richtig auszukosten in der letzten Woche – hab ich verworfen, da in Baden Württemberg noch Schulferien waren und die Züge vermutlich voll oder zu spät oder gar nicht vorhanden.

Auf dem Radl also Richtung Freiburg, recht spontan und nicht unbedingt super geplant. Zelt und Isomatte eingepackt und ein paar Sachen zum übernachten und ein bisschen was zum essen, wird schon werden, man kommt ja immer an Städten vorbei. Well. Was ich mir als kleine Tour am Rhein vorgestellt hatte wurde dann doch ein bisschen längerer Ausritt über die Dörfer..

Als alter Velohase natürlich super ausgerüstet – Radlhose gegen den Wolf- jap, dabei, Wasser, jap mal so ein Liter sollte reichen, Karte – nö braucht kein Mensch, Roaming, nö, geht ja nur am Rhein entlang (liegt Freiburg eigentlich am Rhein?) und die eigene Kondition – well, die Wadln waren dann doch noch nicht so trainiert.. gings trotzdem mal los. Erstes Ziel – Isteiner Schwellen. Um eins gings los. Weil vorher noch so viel zu erledigen war und die Strecke doch machbar sein sollte.. Mit dem ganzen Gelump auf dem Gepäckträger fuhr es sich dann erstmal nicht so locker flockig schnell und die ersten Zweifel kamen ob des geplanten Abenteuers auf. Wo muss ich nochmal hin? Veloschilder eher spärlich, ich wusste, erstmal über die Brücke bei Weil, dann irgendwo beim Industriegebiet und Mc Donalds vorbei und dann immer geradeaus am Rhein entlang.

Das war schon so. Der Veloweg ist etwas hoppelig bis nicht vorhanden und dann hängen dir die LKWs im Rücken, da hats die Fahrt ins Grüne noch nicht so weit geschafft. Aber die ersten Bäume waren in Sicht und auch die ersten Rentner mit E-Bikes und KARTE – die konnte ich anhauen und nach dem Weg fragen. Gehts da nach Freiburg, ja wir glauben schon, suchen es auch grad auf der Karte.. Das war so ein old school Katalog für vorne an den Lenker und zeigte irgendwie nur Bad Bellingen. Sehr gesprächig war der Herr, die Dame wollte schnell weiter. ok. Also ich merk mir mal Bad Bellingen rechts ab oder Neuenburg müsste auch passen.

Auf den Radschildern stand immer nur die nächste Ortschaft, von Bad bellingen stand da nix, Istein wusste ich, müsste ich vorbei und da wars dann auch schön. Nach einer Std. in der prallen Mittagshitze auch eine willkommene Abkühlung, meine Kondition war jetzt schon am Anschlag und die Körpertemperatur auf gefühlten 40 Grad.

Weiter gings. Unterwegs hab ich dann noch ein paar Radlfreunde angesprochen, ob die auch nach Freiburg fahren – nö, was Freiburg so weit sind wir ja noch nie gefahren, da haben sie ja heut noch was vor..echt ich dachte es wären so 50 km, nö, das sind bestimmt 70, aber sie schaffen das schon! Bei so viel Zuspruch konnte man ja nicht umkehren.

Immer dem Rhein entlang und es war schön. Echt. Zwar recht gerade und ausser Bäumen, Sträuchern und dem grünblauen Wasser und ein paar Vögeln und Radlern oder Familien bei Grillen sah man nicht viel aber es war ne tolle Strecke. Bei Neuenburg endet dann der Veloweg aprupt an einem Zaun. Kommste nicht weiter. Also wieder zurück zum Wald und dann durch den Ort Richtung Müllheim – das hatte ich auf der Karte gesehen, das schien richtig zu sein. Ab und zu hatte ich dann doch Netz und so ein Quadrat Google Maps zeigte die Richtung, wird schon werden..

Heitersheim, das konnte ich mir merken. Und in Müllheim gabs ne leckere Eisdiele und lustige Brunnen. Die Landesgartenschau findet in Müllheim noch bis Oktober 2022 statt und der Flyer sah spannend aus.

Also nächste Station – Bad Krozingen. Nach Bad Krozingen zog sich die Strecke etwas und wurde leicht hügelig ob der Weinberge, war aber schön und eine kleine Abwechslung zum Rheinradweg. Nur die Beschilderung war etwas verwirrend, der Radweg war gerade aus ausgeschildert, da gings aber direkt auf die Landstrasse. Und auf der Landstrasse hälst du mit nem vollgeladenen Velo den gesamten Verkehr auf, vor allem, wenns erstmal Bergauf geht und du gefühlte -5km/h fährst.. Scheisse. Kein gutes Gefühl. Ich bin dann seitlich ins Gras gefahren und hab als keine Autos mehr kamen nen unerlaubten U-Turn gemacht und bin wieder zurück nach Bad Krozingen gerollt, uhureschnell diesmal, weils ja bergab ging und aus Angst vor den rasenden Autos..ok. Zurück auf dem Veloweg dann auf gut Glück die andere Abzweigung genommen und siehe da, die war scheints doch die richtige. Also ab nach Scherzingen. Zwar mit viel Gefluche und Gezeter über die bescheuerten Wegebeschilderer aber hauptsache on the road again.

Die Zeit wurde so langsam knapp. Da mein super missglücktes Zeitmanagement erst um 1 Uhr nachmittags gestartet hat, der Weg und die Sucherei danach doch länger als 50km gedauert haben wurde das mit 18:00h auf dem Camping Platz sein dann etwas sportlich. Meine Kondition war absolut am Anschlag nach spontanen 4 Stunden im Sattel und um 17:30h dachte ich ich fall von demselbigen und schaff es nie nach Freiburg. Der Scheiss bei solchen spontanen Einzelaktionen ist – du kannst niemandem die Schuld in die Schuhe schieben. Es ist alles auf dem eigenen Mist gewachsen .. die Camping Frau hatte mich schon angerufen und gefragt wo ich bleibe – jaaa ich komm, nur noch 5 km dann bin ich sofort da. Die Arme, jetzt also noch ein schlechtes Gewissen, weil die gute Seele ihren wohlverdienten Feierabend wg. meiner verhühnerten Zeit verschieben musste. Ja nu. Ich hab nochmal Vollgas gegeben und bin durch St. Georgen und die Dreisam gerast wie von der Tarantel gestochen, aus Angst, nicht mehr rechtzeitig anzukommen. Fertig lustig. Mit hochrotem Kopf dort eingerollt und dann hatten sie grad die Rolläden bei der Rezeption runter gelassen. Aber waren trotzdem noch lieb und sehr gechillt und haben mir mein Plätzchen zugewiesen. Glücklich. Und geschafft. Und der mitgebrachte Nudelsalat, der bei 30 Grad schön angewärmt wurde auf dem Rücken hat mir dann nachts noch ordentlich Bauchschmerzen verursacht, aber was macht man nicht alles für ne Nacht im Zelt unterm Sternenhimmel in Freiburg 😉