Olá Portugal!
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Olá Portugal!

Sonne & Wind an der Algarve

Noch etwas Sonne tanken im Oktober, bevor der Winter kommt,  Freunde in Alentejo & Lissabon besuchen und den Lifestyle der digitalen Nomadin ausprobieren, so war die Idee für die Reise. Zunächst bin ich nach Faro geflogen, in Basel regnete es in Strömen, Temparaturen waren um die zehn Grad. Im Easyjet Flieger hat es noch freie Plätze, die Hochsaison scheint vorbei zu sein. Neben mir sitzt ein irisches Rentner Pärchen, welches sich ein Apartment in der Nähe von Faro gekauft hat und dort hin pendelt, um sich die kalten Wintermonate zu verkürzen und den Ruhestand in der Wärme zu geniessen. Die Preise für den Hauskauf steigen laut ihren Aussagen in Portugal an, das Dach des Apartments soll mit Solarpanels ausgestattet werden, wenn’s gut geht für 3000 Euro, damit die Strom- und Heizkosten in Irland eingespart werden können. Klang vernünftig. Dass das hin- und herpendeln mit Easyjet zwar nicht so umweltfreundlich sei, habe ich nicht angemerkt. Zu symphatisch war das Pärchen und ihre Tipps für Faro und das Umland und zu aufregend die Landschaft unter uns. Beide freuen sich wie kleine Kinder auf die sonnige Wärme in ihrer Wunschdestination, mich eingeschlossen. Wir landeten und wünschten uns eine gute Zeit.

Faro

In Faro weht ein warmer Wind und die Sonne strahlt bei 26 Grad im Oktober und zaubert einem ein fettes Grinsen ins Gesicht. Der erste Gedanke – es war ein guter Entscheid, hierher zu kommen und den Sommer um ein paar Wochen zu verlängern. Zwei Nächte wollte ich hier bleiben und dann weiter nach Lagos, um zumindest einen kleinen Eindruck von der umschwärmten Algarve zu bekommen. Zu Hause erntete ich zunächst Stirnrunzeln, als ich Freunden die Idee von Faro erzählte – warum denn in Faro bleiben, da gibts doch nur den Flughafen, das rentiert sich nicht, fahr lieber gleich weiter an der Küste! Viele Touristen machen es so, sie ziehen gleich weiter an der Algarve entlang, mit gemietetem Auto oder Camping Bus. Ich wollte trotzdem kurz hier bleiben, verschnaufen und ankommen. Obwohl der Flug so kurz ist, aber die über 1000 km wollen doch verdaut werden, ich werde owohl älter. Ausserdem mag ich Städte, die noch nicht so viel Marketing abbekommen haben. Mit dem Lokal Bus Nr 16 sollte es vom Flughafen aus in die Stadt gehen. Dort findet man jedoch nur ein Schild mit Pfeil, die Bushaltestelle ist nicht direkt ausgeschildert, das wird noch öfters der Fall sein, welcome to Portugal;) Also einfach den anderen Touries nach, die werden es schon wissen. Durch zuhören und nachfragen bestätigte sich, hier geht’s in die Stadt. Nur kam der Bus nicht. Der sei öfters zu spät, weil er erst an den Strand fährt war die Antwort des geschäftigen Kontrolleurs, der Tickets an der Haltestelle verkaufte. Allerdings für den Alsa-Bus, der uns Touries für 3,50 Euro statt 2,35 Euro mitnimmt. Etwas komfortabler die Sitze und er fährt uns in 20 Minuten direkt an den Busterminal in Faro. Der erste Blick aus dem Fenster streift den Flughafen, dann eine Kunstinstallation an einem Verkehrskreisel, Skulpturen von Reisenden, die in den Himmel schauen und die Flugzeuge beobachten. Kunst am Kreisel wird es auf der Reise noch öfters geben. Dann die Autobahn, es folgt der Vorort Montenegro mit hübschen Häusern und etwas holprigen Strassen und dann ging es vorbei an der  Einkaufsmeile Faro Forum mit Kinopalast und Decathlon.

Altstadt Faro

Faro empfängt den Besucher mit Herzchen Logo und Strassenmusikern am Hafen. Mir gefällt die Hauptstadt der Algarve. Auf dem Weg vom Rodoviario Terminal zur Jugendherberge geht’s über gemusterte Pflastersteine vorbei an kleinen Cafés, dem Hafen und kleinen Läden, alles sehr überschaubar, die Häuser nicht höher als 3 oder 5 Stockwerke, Kacheln schmücken die Fassaden, die Atmosphäre entspannt, es herrscht eine gesunde Mischung zwischen Touristen und Einheimischen, wie es auf den ersten Blick aussieht. Die Häuser sind teils renoviert, oder befinden sich gerade im Umbau, das Städtchen wird anscheinend gerade aufgehübscht, es möchte sich als Kulturhauptstadt 2027 bewerben, da muss noch etwas Makeup aufgetragen und das Fitnessstudio besucht werden;)

Zur Jugendherberge geht’s an einem sehr hübschen Park vorbei, Jardim de Alameda, Joao de Deus, gegenüber befindet sich das Polizeipräsidium, man fühlt sich sicher. Im Stadt-Park gibt es kleine Teiche, über hundertjährige Bäume und einen sehr schöne neo-arabische Fassade, welche als Eingrang zur Stadtbibliothek – Bibliothequa Municipal – dient. Pfauen spazieren schreiend durch den Park, beim Quiosque de Deus kann man sich bei einem Kaffe im Schatten der Bäume erholen.

Pousada Juventude Faro

Bist du mittlerweile nicht zu alt für eine Jugendherberge oder ein Hostel? Die Frage höre ich oft, wenn ich zu Haus von meinen Reisen erzähle. Und eigentlich – ja, wahrscheinlich schon. Und das hochklettern ins Stockbett fällt auch nicht mehr so leicht wie früher. Aber immer wieder zieht es mich dorthin, weil sie günstig, zweckmässig und mit Frühstück sind und ich tagsüber meist eh so viel unterwegs bin, dass ich abends einfach todmüde ins Bett ffalle und mir Komfort nicht so wichtig ist. Ausserdem trifft man meistens nette Leute dort, welchen man in anonymen Hotelzimmern nicht begegnen würde. Die Frau an der Rezeption der Pousada Juventude empfängt uns herzlich, sie hat für jeden einen Spruch auf den Lippen und ist die Mama für alle, man fühlt sich willkommen und gleich zu Haus, vor mir checkt gerade eine spanische Mädelsgruppe ein. Das Gebäude wurde schon länger nicht mehr renoviert, es ist im Jugendherbergs-Style der 70er Jahre hängen geblieben. Mich stört es nicht. Dafür gibts Frühstück, Holzbetten und schnelles WLAN, nette Zimmernachbarinnen und sogar Fernsehen im Aufenthaltsraum, eine Mini-Küche und eine grosse Terrasse. Der Supermarkt Continente ist gleich nebenan. Also alles, was das alternde Backpacker Herz begehrt;)

Ladies Dorm

Einen Luxus gönne ich mir mittlerweile – Frauenzimmer, sobald es welche hat. Die sind oft ruhiger und entspannter als gemischte Zimmer, Jungs feiern gern auf Reisen. Dieses Zimmer teile ich mit Yuka, einer Japanerin um die 30, welche ihren Job zu Haus gekündigt hat und auf Europareise ist. Sie hatte keine Lust mehr, zu hoher Leistungsdruck im eigenen Land, dazu die strengen Corona-Kontrollen, sie möchte eine Pause und Europa entdecken und in die Wärme, dem Winter entkommen. Es gefällt ihr bisher sehr gut, in Spanien und Marrokko war sie bereits, letzteres gefiel es ihr nicht so, zu viele aufdringliche Männer und unübersichtliche Städte. Aber dorthin muss sie zurück, weil sie ihren IPad im Hostel vergessen hat. Wie, einfach mal kurz zurück nach Marokko?? Ja, das wäre nicht weit, in 3 Tagen locker zu schaffen. Zuerst von Faro nach Tavira mit dem Zug, dann weiter über den Fluss mit dem Bus nach Sevilla, von dort nach Tarifa und dann rüber nach Marrokko mit der Fähre. Wow, sounds like Japanese style travelling;) Und das alles wollte sie mit ihrem riesigen Koffer bewältigen. Aber Tatsache, wir hatten danach noch geschrieben und sie hat es tatsächlich geschafft und war überglücklich. Respekt. Crazy japanese women 😉 Eine andere Zimmernachbarin war Portugiesin, sie hatte vor 2 Wochen ihr Studium angefangen und war verzweifelt auf Zimmersuche. Sie konnte bisher nichts finden, weil die Mietpreise für Portugisen in dieser Region fast nicht mehr zu bezahlen sind. Maximal 150 Euro pro Monat war ihr Budget, das klang utopisch, vor allem wenn man aus der Schweiz kommt. Aber das Durchschnittsgehalt ist in Portugal immer noch sehr tief und liegt zwischen 700-1200 Euro. Kaum zu glauben, dass sich die Leute überhaupt eine Wohnung leisten können. Deshalb würden oft mehrere Generationen zusammen wohnen, meinte sie. Sie war etwas k.o. Vom Zwei Stündigen Pendeln, und vom Studi-Leben und vom Studieren. Bei den Erstsemestern ist in den ersten Wochen die Hölle los, sie ziehen durch die Städte und feiern ordentlich, eine Art Aufnahmeritual. Sie hatte sich dabei eine Erkältung eingefangen. Am letzten Tag dann die positive Nachricht, sie hat ein Zimmer in Faro gefunden und kann es sich mit einer anderen Studentin teilen. Eine andere Zimmernachbarin kam aus Taiwan, hat gerade an ihrer PHD-Arbeit in Psychologie geschrieben und sich in die Vanilletörtchen in Portugal verliebt, die vierte Mitbewohnerin hat nicht viel erzählt, sie sass strickend im Bett. Welcome to backpacker ladies dorm 😉

Digitale Nomadin

Diesmal wollte ich es als digitale Nomadin probieren, habe den Laptop und etwas Arbeit mit im Gepäck. Die erste Challenge- einen ruhigen Arbeitsplatz für den nächsten Morgen finden, weil ich dann eine Online-Deutsch Stunde geben musste. Dank meiner sehr netten Zimmernachbarin konnte ich im Zimmer ein Mini-Büro einrichten und hatte hier Ruhe und WLAN. Zwar etwas improvisiert, aber es hat funktioniert. Und das Wlan war sogar schneller als zu Hause – Meo Premium Wifi. Sonst wäre es auch im Aufenthaltsraum oder in der Bibliothek nebenan gegangen, das habe ich am nächsten Tag rausgefunden. Der Fokus verschiebt sich, wenn man die Arbeit mit im Gepäck hat. Nicht zuerst die Sehenswürdigkeiten oder netten Restaurants oder die Landschaft werden wahr genommen, sondern man schaut nach ruhigen Ecken, Steckdosen und Wifi..etwas strange, aber irgendwie auch interessant. Man muss sich den Tag selbst strukturieren, hat natürlich zunächst viel mehr Ablenkungen, weil der Ort neu ist, muss sich in der Stadt orientieren und versuchen, sich zurecht zu finden und die fremde Sprache zu verstehen. Klima- und unterschiedliche Zeitzonen spielen eine Rolle und wenn dann noch ein Termin oder Deadline im Nacken sitzt kann es schon mal sportlich werden in einer neuen Stadt. Aber man möchte ja flexibel arbeiten;) Am Nachmittag hatte ich dann frei für eine kleine Sightseeingtour. Mit Kirchen und Burgen hab ich’s nicht so, mich interessiert meist zuerst die Atmosphäre der Stadt, Streetart und Kunst an einem neuen Ort sowie Zwischennutzungen und die Natur.

Urban Art in Faro

In Faro gibt es auf den ersten Blick nicht so viel Streetart, oft ein Zeichen der Gentrifizierung. Hinter der Jugendherberge befand sich ein grosses Mural von Filipe Coelho, CRIACT stand darunter. Der Streetartist Karot ist sehr präsent in dem Städtchen, seine Karotten mit dem Aufruf zum veganen Leben sieht man an jedem Eck. Hinter dem  Centro Ciência Viva do Algarve befanden sich zwei Murals an der Mauer, welche man vor allem vom blauen Zug der durch Faro fährt und vom Boot aus sieht, kleinere Pasteups findet man auch von Costha. Von Dutch the butt findet man auch öfters kleine Graffitis in der Stadt. Wast und Kam sprayen hier ebenfalls. Eine alte Fabrik am Bhf fiel mir auf – die Fábrica da Cerveja Faro. Hier soll anscheinend ein kreativer Ort entstehen im Rahmen des Antrags als Europas Kulturhauptstadt 2027: Faro 2027

Beim Spazieren durch die Stadt traf ich auf einen älteren Mann, welcher mit seinem Hund Gassi ging. Ich habe gerade versucht, an einem Haus die Texte einer kleinen Foto-Collage an einer Hauswand zu entziffern. Der Mann blieb stehen und erklärte mir, dass hier der bekannte Schuhputzer aus Faro wohnt, welcher auch Künstler ist und von den Bewohnern des Quartiers eine Collage erstellt hat, um zu zeigen, wer hier wohnt. Der Hund putzte sich derweil sein Ohr, der Mann hatte ein wettergegerbtes Gesicht, nicht mehr alle Zähne im Mund. Er wünschte mir einen schönen Tag. Durch solche Reisebegegnungen kommt man langsam an an dem Ort, den man oft nur durch die Tourie-Brille streift und sonst schnell weiterzieht.

Weitere Infos zur Streetart in Faro findet man auf dem Blog von Sarah Toon: Streetart in Faro

Praia de Faro und Rio Farmosa

Der Bus Nr. 16 fährt  an den Strand Praia de Faro und die Fähre fährt einen ebenfalls dorthin. Die Fähre ist auf jeden Fall einen Ausflug wert, schon allein die zwei Fährimänner sind eine Attraktion. Sie erinnern an Sancho und Pancho, schnacken gern mit den Gästen in gebrochenem Englisch und drehen auch gern mal die Musik bei der Fahrt auf. Naturschutzgebiet? Egal. Hauptsache die Fahrt macht Spass. Manchmal landet man auch aus Versehen auf einer Sandbank. Es wird sich kurz entschuldigt, gelacht, der erste Schock der Touristen verfliegt und die Fähre tuckert weiter. Die Fähre wird auch von den Lokals benutzt, sei es für den Schul- oder Arbeitsweg.

Am Praia de Faro wurde ich von einem riesigen Mural von Bordhalo II überrascht, es zeigt ein Seepferdchen an einem Wasserturm, mitten auf einem Campingplatz und soll an die bedrohten Tierarten an der Algarve erinnern.

Das Naturschutzgebiet Rio Farmosa befindet sich direkt beim Strand- ein Feuchtgebeit, welches verschiedene Vogelarten, darunter Störche, Flamingos und Graureiher sowie verschiedene Fischarten, Krebse und sogar Camäleons beherbergt. Leider steckt der Naturschutz und das Umweltbewusstsein in Portugal generell noch in den Kinderschuhen. In den Lagunen sieht man viel Müll herumliegen, die Landstrasse führt direkt durchs Naturschutzgebiet und der Flughafen ist keine 10km entfernt, sodass Autos und Flugzeuge über die Tiere hinwegbrausen. Entsprechend wenig Tiere bekommt man zu Gesicht.

Der Strand ist megaschön, kilometerweit zieht er sich kerzengrade an der Küste bis nach Spanien entlang, die Wellen im Oktober können schon etwas höher werden, sie haben ordentlich Zug, sind aber ok. Das Meer um die gefühlten 19 Grad. Duch die Länge des Strandes hat man viel Platz, hier gibt es nicht so viele Leute, es füllt sich erst gegen Nachmittag, ist aber nicht überlaufen. Schön ist auch, dass noch keine Hotelburgen oder megaviele Restaurants das Bild stören. Läuft man am Strand entlang gibt es kleinere Cafes, z.b. das Cafe de Ze, wo man riesige Sandwiches und Getränke bekommt. Wenn man Richtung Rio Farmosa läuft kommt man an einem sehr kleinen ehemaligen Fischerdorf vorbei. Auf den ersten Blick sieht es herzig aus, kleine, 1 Stöckige Häuser mit kleinem Vorgarten. Auf den zweiten Blick sieht man jedoch die Armut. Zusammengezimmerte, provisorisch geflickte Unterkünfte, manchmal ist man nicht sicher ob hier überhaupt noch jemand wohnt, wohnen kann. Zwei ältere Männer habe ich beim Arbeiten gesehen. Vielleicht ehemalige Fischer. Einen der Fischer am Meer habe ich angesprochen. Ein Portugiese, um die 60, braungebrannt. Ob er Bacalhau fange, habe ich naiv gefragt, etwas besseres ist mir nicht eingefallen. Er lacht. Nein. Eher Seezunge und Seebarsch, wenn er Glück hat. Eigentlich ist er nur zum Spass hier, er betreibt Angeln als Sport, zum entspannen und relaxen, er wohnt eigentlich in Deutschland seit 40 Jahren und seit der Pension ist er immer öfter hier, hat sich ein Apartment gekauft. Früher ist er regelmässig gependelt, weil die Flüge oft nur 5 Euro gekostet haben, jetzt gibt es diese Preise fast nicht mehr, aber jetzt hat er auch mehr Zeit. Er war Direktor an einer Schule in Deutschland. Fängt er keinen Fisch, geht er zum Markt, dort gibts genug;) Moderne Fischer gastieren am Fischermans Trail, die Zeiten ändern sich.

Eine Frau im Restaurant sprach mich an, ob ich kurz auf ihre Tasche aufpassen könnte. Sie kam aus Deutschland. Später lud sie mich zu einem Glas Wein ein. Als sie bestellte, sprach sie Portugisisch. Ja, sie hatte früher mit ihrer Familie ein Hotel in Monjuic. Aber wegen den 2 Jahren Corona mussten sie schliessen. Sie konnten es nicht halten. Ihre Töchter sind nun fast erwachsen, sie sind wieder zurück nach Bayern gezogen, kommen aber immer noch sehr gerne in die Ferien hierher.

Das ist das schöne am alleine Reisen. Man zieht zwar alleine los, trifft auf dem Weg aber die unterschiedlichsten Leute und bunte Geschichten.

In Faro selbst fand abends eine riesige Herbstmesse statt, für Kinder ein Paradies und für die Erwachsenen gabs portugisische handfeste Köstlichkeiten, Bifana, Fisch, Piscaoes, Süssigkeiten und viel Bier und Musik.

Olhão – Kubistische Architektur und Streetart

Mit dem Zug oder Bus kann man in 15 Minuten nach Olhão fahren, er liegt an der sog. „Sandalgarve“, die bis zur spanischen Grenze reicht. Schon der Name des Städtchens gefiel mir. Über die Streetart dort hatte ich bei World of Photography gelesen, hätte aber nicht vermutet, in der Stadt so viel davon vorzufinden und war begeistert. Das Künstlerpaar BluBla und viele andere haben sich dort fleissig verewigt. Die Streetart ist dank Dário Silva, einem Portugiesen und Sergio, einem Südafrikaner so populär geworden. Man findet sie vor allem im Quartier Bairro do Levante und in der Rua da Fabrica. Weitere Infos zur Streetart in Olhao findet man bei der Sattori Association und auf dem Blog von Becky: Streetart Olhao

Das Städtchen selbst ist eigentlich wegen seiner kubistischen Architektur und wegen seinem Hafen und der Fischerei bekannt. Die Markthallen dort sind ist toll und die kleinen Gassen spenden Schatten in der Mittagszeit. Die Atmosphäre des Städtchens ist sehr entspannt und nicht viele Touristen verschlägt es hierher. Es gibt ein sehr nettes kleines Museum, und ein kleines Viertel, in dem früher die Fischer gewohnt und gearbeitet haben. Mit Fisch scheint hier das Leben der Bewohner dicht verwoben zu sein, es war vor dem Tourismus die Haupteinnahmequelle, der Export von Kork aus dem Landesinneren ebenfalls. Bacalhau gibt es in allen erdenklichen Formen.
Infos zu Olhão

Lagos & Ponta da Piedad

Mit der blauen Bummelbahn -Algarve Train Line- kann man auch in die andere Richtung an der Küste entlang von Faro nach Lagos tuckern, die Fahrt ist nett, kostet nur 7,50 Euro und man passiert Albufeira und Portimao. In Lagos weht ein anderer Wind. Es ist bekannt für die Seefahrt und das Sklavenmuseum. Heinrich der Seefahrer ist von hier zu seinen Expeditionen gestartet und hat Sklaven mitgebracht, welche in der Stadt verkauft wurden. Heute haben hier die Engländer, Franzosen und Deutschen übernommen und die Stadt hat sich völlig dem Tourismus angepasst. Ein Korkgeschäft, Restaurant und Gelateria steht neben dem anderen, dazwischen fiedeln irische Strassenmusiker und Surferkids bevölkern die Bars, es läuft überall Fussball. Der Strand und die Bucht sind toll, aber in die Jahre gekommen und wird von Partybooten und Yachten bevölkert, die Hauptsaison geht hier anscheinend bis Mitte Oktober. Ende Oktober ist das Städtchen dann auf einmal leerer, man erkennt das Kopfsteinpflaster und es fühlt sich authentischer an, die Einheimischen trauen sich wieder auf die Strassen. Ponta da Piedad ist ein toller Ausflug, mit dem Kajak kann man die Grotten erkunden und mit dem Velo kann man schön an der Küste entlang z.B. zum Praia Meia und bei Lindas Beach House einen Cafe trinken.

Backpacker Hostels gibt es zu Hauf, aber auch viele Airbnbs und Hotels zum Übernachten.

Hier gab es mehr Streetart zu bestaunen. Viele der Stromkästen wurden verziert und in der Stadt findet man viele Auftragsarbeiten, welche vom LAC initiiert wurden. Es ist ein ehemaliges Gefängnis, welches zum Kultur- und Kunstzentrum umgebaut wurde und bietet Workshops und Ausstellungen zum Thema Graffiti und Streetart an und stellt eine Strassenkarte mit den Kunstwerken in der Stadt zur Verfügung.

Porto Covo und der Fishermans Trail

Weiter ging es von Lagos aus die Westküste entlang, diesmal mit dem Überlandbus nach Porto Covo. Wir passieren Aljezul und Odejxe, welche vom Fenster aus schön aussehen. Porto Covo ist ein Lieblings Ort von mir, ein etwas verschlafener Fischerort mit weiss-blau getünchten Häusern,  direkt am Meer. Die alten Männer des Dorfes sitzen schon morgens auf den Steinen der einzigen Hauptstrasse und tauschen den letzten Schnack aus, im Totto Lotto Geschäft werden Lose verkauft und in der Padaria fleissig Brot gebacken. Ein bisschen steht die Zeit hier still. Der Ort ist scheinbar eine Zwischenstation des sogenannten Fischermans Trails, einem Wanderweg, welcher 300km an der West-Küste entlangführt und viele Wanderer anzieht. Schön. Im Ahoy Hostel gibt Nikolai geduldig Auskunft über die Beschaffenheit des Weges, sein Hund Nilu schläft friedlich daneben. Die Wellen und der Wind geben hier den Rhytmus vor, die Möwen singen ihr Lied. Aber er erzählt auch von den Problemen des Landes. Dass der Regen schon seit 5 Jahren nicht kommt, Spanien die Water-Supplies diesen Sommer gestrichen hat und die Waldbrände immer heftiger werden. Kein Wasser, keine Ernten. Keine Ernten, Hunger im Land. Wenn es so weiter geht, weiss er nicht, was passieren wird. Trotzdem behält er seine Zuversicht und kümmert sich herzlich um seine Gäste. Es wird schon werden. Es ist ja immer irgendwie gegangen.

Vila Nova de Milfontes

Vila Nova de Milfontes ist die nächstgrössere Stadt, hier geht es schon geschäftiger zu, mehr Häuser, mehr Einwohner mehr Touristen, die fürs Surfen und den Strand hierher kommen. bei Mabis Croissanterie brummt schon morgens der Bär, die beste Bäckerei der Stadt, hier treffen sich Handwerker und Familien.

Nebst den Touristen sieht man auch viele Nepalesen und Tamilen, sie arbeiten in der Umgebung auf den Feldern, sind zum Früchte pflücken hier und bekommen oft nur einen Hungerlohn. Schlafen müssen sie in sehr einfachen Unterkünften. Einer von ihnen war mein Zimmernachbar, hier gab’s kein Female Dorm oder der Besitzer hat es verhängt mit der Reservation. Er musste hier vorübergehend im Hostel schlafen, weil seine Unterkunft gerade renoviert wurde. Längerfristig will er sich aber selbständig machen. Und mit was? Strawberry business. Er möchte seine eigene Erdbeerfarm aufmachen und nicht mehr abhängig sein. Spannend.

Viele Expats aus Deutschland, England und auch Polen und Frankreich mieten oder kaufen sich hier eine Wohnung oder gar ein Haus, die Preise seien aber auch hier in den letzten Jahren massiv angestiegen. Es ist eine lustige internationale Community hier, bestehend aus Architekten, Künstlern, Theaterleuten, Filmemachern und Start-Ups. Auch sie erzählen von den Schwierigkeiten der letzten Jahre, trockenes Land, die Fabriken aus Sines verpesten die Luft, der Boden sei wegen dem Meer zu salzig um Gemüse anzubauen, Wasserknappheit herrscht,  wenn es so weiter geht, auch mit den Waldbränden wird es gefährlich. Einer von ihnen hat einen Dokumentarfilm zum Thema gedreht – Everything will change von Marten Persiel. Ein Kollege von ihm – Ivo Carmo- ist Surflehrer bei der Surfschule Vagabond und hat in Lissabon Philosophie studiert und einen Artikel über die Philosophie des Surfens geschrieben. Seine Frau kommt aus Manchester und ist Künstlerin. Ein Berliner Pärchen hat einen Co-Workingspace eröffnet und plant ein veganes Streetfood Festival in der Stadt. Ein polnischer Künstler wohnt in der Nähe von St. Louis und baut dort selbst Gemüse an. Eine Berlinerin war seit drei Jahren mit dem Van unterwegs und besucht immer wieder Freunde hier in der Region. Freunde von mir von N-type Architecture haben sich als Architekten in Cercal niedergelassen. Trotz der Schwierigkeiten lieben sie alle Alentejo, haben funkelnde Augen, wenn sie vom Leben in Portugal sprechen, schwärmen vom Meer, der Freiheit hier, der Verbundenheit, der echten Freundschaft und den Künstlern in St. Louis. Viele warnten mich vor Lissabon, dass die Stadt sich stark verändert hat, der Charme von früher verpufft sei. We felt lost in the city. Ich konnte es mir nicht ganz vorstellen, da ich so viele schöne Erinnerungen mit der Stadt verband und war gespannt.

Lissabon

Bei der Weiterfahrt nach Lissabon mit dem Bus sieht man im Vorbeifahren Windpark Anlagen und Solarpanel Farmen, ein kleiner Versuch auf den Umstieg in erneuerbare Energie, aber dem Land fehlt immer noch das Geld. Ausländische Investoren setzen hauptsächlich auf Tourismus und Immobilien, um das Land und die Bewohner kümmert sich auf den ersten Blick keiner.

Die Landflucht ist ebenfalls ein grosses Problem, generell fragte ich mich öfters, wie die Älteren hier zurecht kommen, barrierefrei geht anders. Entweder sind die Strassen in den Städten immer noch mit Kopfsteinpflaster belegt oder Bordsteine überhaupt nicht vorhanden oder so schmal, dass man niemals mit einem Rollstuhl darauf fahren könnte.

Die Busse nicht sehr zuverlässig, je weiter man aufs Land kommt.

Lissabon habe ich bisher zweimal besucht und war jedes Mal begeistert. Das erste Mal 2009, völlig ohne Erwartung, einfach eine Stadt am Meer besuchen. Wir waren damals auf dem St. Antonius Fest, die Party war überall, die Hostels neu und billig, Bairro Alto noch nicht überlaufen, wir waren allerdings auch 13 Jahre jünger. Letztes Jahr dann der zweite Besuch, hier war die Stadt leer, weil noch Corona war. Es war schön, durch die Gassen zu schlendern und mit der 28er Tram zu fahren, in die Bäckereien zu gehen und am Tejo zu sitzen. Und dieses Jahr dann der Schock. Touristen überall. Auch wenn man selbst Tourist ist, ist man von der schieren Menschenmasse überwältigt. Zumindest ging es mir so.

Wo kommen all diese Leute her? Es ist doch Oktober. Anscheinend war es früher so mit Haupt- und Nebensaison, mittlerweile kann man behaupten, es herrscht das ganze Jahr Hauptsaison in der Stadt. Überall Deutsche, Amerikaner, Franzosen, Italiener. Alle am Pasteis de Nta mampfen, Cappuchino schlürfen und durch’s Bairro Alto ziehen, Ginja probieren oder Croquetas de Bacalhau. Wow. Für mich wars zu viel. Die erste Unterkunft befand sich zum Glück in einer etwas ruhigeren Strasse von Sao Bento, Rua de Cruz Poiaas, ein Airbnb. Hier war noch nicht so viel los, aber drei Strassen weiter war der Zirkus in vollem Gange. Ähnlich wie in Barcelona und Paris zogen die Scharen vorbei. Man merkte, die Leute haben wieder Geld zum Reisen und wollen nach der Corona-Pandemie wieder reisen. Die Stadt am Tejo kämpft und nicht nur die alten Trams und Kopfsteinpflaster ächzen. Sie kämpft mit den Touristenmassen und Investoren, digitalen Nomaden und Expats. Der Spagat zwischen Traumdestination am Meer, Kultur und Lifestyle und wütenden Bewohnern, die sich die steigenden Preise nicht mehr leisten können und verdrängt werden, wird immer grösser. Die Patina bröckelt. Braucht eine Pause.

Trotzdem gibt es auch die schönen Seiten, wenn man sich etwas Zeit nimmt und den Hauptstrassen ausweicht. Z.B. mit der Fähre rüber nach Alcantara. Ins Museum Cercal mit einem wunderschönen Aussichtspunkt, auch hier gibt es einen Fahrstuhl, zwar nicht vom Schüler Eifels, dafür auch mit schöner Aussicht auf Lissabon. Unten sieht man die ehemaligen Docs voll mit Graffiti und zwei kleine Restaurants direkt am Wasser. In Alcantara läuft das Leben gemächlich ab, nur eine Handvoll Touristen kommen hierher. Dann an einem anderen Tag mit dem Bus zum Caipirica Strand. Hier gibt es ein paar Surfschulen, Restaurants, aber der Strand ist riesig. Und einmal früh aufstehen, um die ruhigen Strassen zu erkunden. Im Gulbenkian Park ist es auch etwas ruhiger, abgesehen vom Baustellenlärm nebenan.

Und es gibt viele kleine Gallerien in der Stadt und lokale Shops beginnen, eine Mischung zwischen Tradition und Moderne in ihre Produkte einfliessen zu lassen. Das Cafe Amica z.B. oder die Padaria de Portugues.

Von Streetart wimmelt es in der Metropole. Bordhalo II ist auch hier wieder sehr präsent, er hat gerade eine sehr tolle Ausstellung in einem Aussenquartier – Evilution. Die LX Factory ist toll, eine ehemalige Textilfabrik, welche nun zwischengenutzt wird mit Restaurants, Cafes, Künstlerateliers und Shops. Auch die Underdogs Gallery und Prato de Prada und das MAD- ein altes Herrschaftsgebäude, welches nun umgenutzt zu Ateliers wird, sind ebenfalls einen Besuch wert.

Arbeiten kann man als digitaler Nomade in Lissabon sehr gut. Im Hostel, wenn man ein ruhiges Eck erwischt oder gerade keine Mitbewohner im Zimmer sind, oder in einem der vielen Co-Workings Spaces oder Bibliotheken. Z.B. im Ideas bei der Picoas Metrostation.

Mit der Metro, dem Bus oder Tram oder auch der Fähre kommt man gut in der Stadt herum, kann sich ein aufladbares Ticket in einer der Metrostationen für 50 Cent kaufen und zahlt so nur 1,50 statt 2,00 für eine einfache Bus- oder Metrofahrt. Die berühmte 28er Tram ist mit 3 Euro etwas teurer, hier kann man aber auch stattdessen die Elevator Trams benutzen, sieht so zwar nicht die ganze Stadt, aber hat das Fahrerlebnis der 7 Hügel;)

Zum Essen gehen gibt es eine riesige Auswahl an portugisischen und internationalen Restaurants, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Angefangen bei den klassischen Bäckereien um – natürlich – das Pasteis de Nata zu probieren, über verschiedene Märkte, den Streetfood Markt im Times Out Markt, welcher zwar eine grosse Auswahl hat, aber auch recht teuer und überlaufen ist. Lokale Restaurants erkennt man oft an der nicht so schönen Einrichtung, einfachen Tischen, unfreundlichen Kellnern, Neonlicht an der Decke und Platten von Pommes und Fisch auf den Tischen;)

Aber es gibt für das Tou- Herz auch die hippen Bars und Restaurants, welche jede Landesküche, egal ob vegan oder mit Fleisch anbieten.

Portugal ist auf jeden Fall eine Reise wert und hat für jeden Geschmack etwas zu bieten, sei es die sonnige Algarve mit ihren kilometerlangen Sandstränden und dem Nachtleben, der wilde Westen mit den rauhen Küstenabschnitten und dem Fishermans Trail und Lissabon und Porto für’s Sightseeing. Ich freue mich auf den nächsten Besuch 🙂 Muito obrigada 🙂

Übernachten

Faro –

Jugendherberge

Penguin Hostel

Hostelicious

Essen

Le P’tit Bistrot

Toto Loto Bäckerei

Faro Praia

Mit Bus Nr. 16, ca. 20 Minuten oder

mit der Fähre ca. 15 Minuten

Rio Farmosa, Naturschutzgebiet

Praia de Faro

Cafe de Ze

Wax Hostel

Lagos

Pousada Juventude

The Garden Restaurant

Momo Express

Kajak Tours

Porto Covo

Ahoy Hostel

Restaurant Le Ignazio

Lissabon

Pousada Juventude

Chillout Hostel

Gulbenkian Museum

Oceanium

LX Factory

Matchamama

Quioske del Sol

Chrack Kids Cafe and Gallery

Prado de Prata Neighbourhood

Underdogs Gallery

MAD – Artist Residence Program

Copenhagen Cafe

Triennale Lissabon

 

Ein Kommentar

  1. Simone Hennegriff

    Liebes Dani,

    Ich bin so begeistert und beeindruckt wie du von Portugal berichtest,am liebsten würde ich sofort mit dir aufbrechen,um dieses Land zu sehen ❤️🥳🥳 einfach toll Dani!!
    Hoffe dich bald Mal wieder in Mannheim zu sehen ! liebe Grüße und 1000 Küsschen von Mone

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